NABU: Neubaupläne Bahnstrecke Hannover–Hamburg gegen Bevölkerung und Natur

Politik droht Bürgerkonsens aufzukündigen und wertvolle Landschaften in Niedersachsen zu zerschneiden

(nabu – 20.4.26) Am kommenden Montag befasst sich der Verkehrsausschuss des Bundestages erneut mit der geplanten Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover. Vor diesem Hintergrund warnt der NABU Niedersachsen eindringlich vor einer politischen Fehlentscheidung zugunsten einer Neubaustrecke und fordert stattdessen den konsequenten Ausbau der bestehenden Trasse. Die Neubautrasse würde nicht nur massive Eingriffe in wertvolle Naturräume bedeuten, sondern auch einen breit getragenen gesellschaftlichen Konsens missachten.

„Die wiederkehrende Darstellung, eine Neubaustrecke sei alternativlos, hält einer fachlichen Überprüfung nicht stand“, erklärt Prof. Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen. „Der Ausbau der Bestandsstrecke ist leistungsfähig, umsetzbar und deutlich umweltverträglicher. Anderslautende Darstellungen verkennen die tatsächlichen Möglichkeiten und sorgen für erhebliche Verunsicherung in der Bevölkerung.“

Naturzerstörung wird systematisch ausgeblendet

In der aktuellen Debatte wird die Bedeutung der Strecke für das überregionale Bahnnetz regelmäßig hervorgehoben. Gleichzeitig bleiben die erheblichen Auswirkungen auf Natur und Landschaft weitgehend unberücksichtigt. Insbesondere die einzigartige Kulturlandschaft der Lüneburger Heide sowie zahllose weitere Lebensräume in Niedersachsen wären durch eine neue Trasse massiv geschädigt.

„Eine Neubaustrecke würde historisch gewachsene, bislang unzerschnittene Lebensräume durchtrennen und dauerhaft zerstören“, so Buschmann. „Der Verweis auf einen teilweisen Verlauf entlang bestehender Infrastruktur wie der A7 greift zu kurz und verharmlost die tatsächlichen Eingriffe erheblich.“

Breiter Konsens darf nicht ignoriert werden

Bereits 2015 wurde im Rahmen des Dialogforums Schiene Nord unter Beteiligung von Ländern, Kommunen, Verbänden und der Deutschen Bahn eine klare Entscheidung getroffen: der Ausbau der Bestandsstrecke. Diese Lösung wurde gemeinsam erarbeitet und von der betroffenen Bevölkerung mitgetragen. Zugleich wurde zugesichert, dass bei neuen Erkenntnissen eine erneute Beteiligung im Rahmen dieses Dialogformats erfolgen soll. Diese Beteiligungsform blieb jedoch aus.

„Es ist politisch hochproblematisch, wenn ein solcher Konsens nachträglich infrage gestellt wird“, betont Buschmann. „Wer Beteiligung zusichert, muss sie auch einhalten. Sollte es neue Bewertungen oder Planungsgrundlagen geben, gehört es zur politischen Glaubwürdigkeit, die betroffenen Regionen erneut einzubinden und nicht über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden. Die Akzeptanz großer Infrastrukturprojekte steht und fällt mit der Verlässlichkeit solcher Verfahren.“

Kritisch sieht der NABU Niedersachsen zudem, dass insbesondere Bundesländer den Neubau fordern, die selbst kaum von den ökologischen Folgen betroffen wären. Die Hauptlast der Eingriffe würde hingegen Niedersachsen tragen.

Flächensparen und Klimaschutz gehören zusammen

Angesichts des immer noch zu hohen Flächenverbrauchs in Deutschland sei es zwingend notwendig, bestehende Infrastruktur vorrangig zu nutzen und auszubauen. Großprojekte müssten sich konsequent an Umwelt- und Naturschutzkriterien messen lassen.

„Der Ausbau der Bestandsstrecke ist nicht nur die ökologisch sinnvollere, sondern auch die schnellere Lösung für mehr Kapazität auf der Schiene“, erklärt Buschmann. „Die Neubaustrecke würde frühestens ab 2050 Entlastung bringen und gleichzeitig irreversible Schäden verursachen.“

Klare Forderung an die Politik

Der NABU Niedersachsen fordert den Verkehrsausschuss des Bundestages auf, sich eindeutig zum Ausbau der bestehenden Strecke zwischen Hamburg und Hannover zu bekennen und die Planungen für eine Neubaustrecke nicht weiterzuverfolgen.

„Es geht hier um mehr als nur Infrastruktur“, so Buschmann abschließend. „Es geht um Glaubwürdigkeit, um den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und um die Frage, ob politische Entscheidungen im Dialog mit den Menschen getroffen werden oder an ihnen vorbei.“

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