Flussabenteuer in Hannover
Urwald-Gefühl für Ruderer auf der Leine

Bückeburg (mm-29.07.19). Die Leine unterhalb der Schleuse Hannover-Herrenhausen ist kein typisches Ruderrevier, selbst die örtlichen Rudervereine trauen sich dort in der Regel nicht hin. Zwischen Hannover und Neustadt ist die Leine sehr schmal, flach und wild, es gibt keine Stege oder echte Anlegemöglichkeiten – zu viel Abenteuer für viele Ruderer!

Anders sah das eine Gruppe von abenteuerlustigen Ruderinnen und Ruderern der RR Schaumburgia Bückeburg. An einem Samstagmorgen machten sie sich kürzlich auf den Weg, mit 18 Personen und sechs gesteuerten Zweiern das „Leine-Dreieck“ durch die Landeshauptstadt Hannover zu fahren.

Als erstes galt es, eine geeignete Einsetzstelle zu finden. Die ursprünglich geplante Stelle hinter dem Leineabstiegskanal erwies sich als zu steil und bewachsen. Ca. 500 m weiter, direkt neben dem Volksbad Limmer, fanden die Ruderer dann einen guten Platz, um Autos und Bootsanhänger abzustellen und die Boote einzusetzen; und gegen 10 Uhr waren alle 6 Boote im Wasser.

„Unser erstes Ziel war das Wasserstraßenkreuz in Seelze, an dem der Mittellandkanal die Leine überquert“, berichtet Moritz Schuster. Was auf der Landkarte wie ein Katzensprung aussieht, sind auf dem kurvenreichen Fluss insgesamt fast 20 Kilometer.

Im Vorfeld habe man sich gut über die Leine informiert und sei auf viel Abenteuer vorbereitet gewesen. Und ist es auch gekommen! Auf den ganzen 20 Kilometer glaubt man kaum, dass man sich mitten in einer Großstadt befindet. Umgestürzte und halb über dem Wasser liegende Bäume vermittelten „eine Art Urwald-Gefühl“.

Von Häusern und Straßen sei nichts zu sehen und zu hören gewesen. Das Boot der Fahrtenleitung führte die lange Kette von Booten an und warnte regelmäßig vor Stromschnellen, Untiefen und sonstigen Gefahrenstellen. Auf dieser spannenden Strecke waren also nicht so sehr die Ruderer, sondern besonders die Steuerleute gefragt, die Boote heile durch die vielen engen Kurven zu bringen. Die vorherige Anweisung, dass in jedem Boot der erfahrenste Ruderer zu steuern habe, erwies sich als richtig.

Erstaunlich schnell wurden die Brücken des Mittellandkanals erreicht. „Da beide Ufer zum Anlegen eher ungeeignet aussahen, teilten wir uns auf, und auf jeder Seite legten drei Mannschaften an und trugen die Boote nacheinander hoch zum Mittellandkanal“, so Schuster. Bevor die Reise dort weiterging, war erst mal eine Mittagspause angesagt.

Nach dem braunen und flachen Wasser der Leine empfing der Kanal die Ruderer mit in der Sonne glitzerndem und sauberem Wasser und lud zur Abkühlung ein. Es stellte sich heraus, dass tatsächlich alle 18 Mann und Frau Badesachen dabei hatten. Nach einer Stunde ging es bei praller Sonne auf dem Mittellandkanal weiter.

Nach ca. 2 km wurde in den Stichkanal in Richtung Hannover-Linden abgebogen. Hier wurde es wieder gemütlicher, und die Jugendlichen gingen nochmal aus den Booten heraus schwimmen. Nach weiteren 8 km auf dem Stichkanal erreichten die Ruderer mit der Leineabstiegsschleuse in Limmer das Ziel der Tagesfahrt.

30 km waren nun insgesamt zurückgelegt worden. Die Leine und der Ausgangspunkt waren jetzt auf dem Land nur noch 500 m weit entfernt und so konnten Autos und Anhänger zu Fuß abgeholt werden.

„Insgesamt war es eine sehr schöne und gelungene Fahrt, und wir haben die Stadt Hannover mal von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Vielleicht verirrt sich ja in Zukunft mal wieder der eine oder andere Ruderer auf die abenteuerliche, aber schöne Leine. Wir werden spätestens im nächsten Jahr das komplette Stück bis Neustadt rudern. Bevor man in der ganzen Welt rudert, sollte man erstmal die heimischen Gewässer kennenlernen“, so Fahrtenleitung Moritz Schuster abschließend. Foto: pr

 

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