„Was macht eigentlich…?“
Bürgermeister Reiner Brombach

Bückeburg (sc-15.04.18). Reiner Brombach, geboren am 09.09.1950 in Minden, dort aufgewachsen, nach dem Abitur zum Jura-Studium nach Bielefeld gewechselt, zwei Söhne, einer tätig als Speditionskaufmann, einer als Jurist. Und noch bis 2021 amtierender Bürgermeister der Stadt Bückeburg. Sie kennen ihn sicherlich von diversen Veranstaltungen. Ob Bürgerschießen oder Jahreshauptversammlung der Feuerwehr, überall dort, wo die Stadt vertreten werden muss, ist Reiner Brombach vor Ort. Doch diese repräsentativen Tätigkeiten sind nur die Spitze des Eisbergs, nur ein kleiner Teil dessen, was ein Bürgermeister tatsächlich täglich erledigen muss.

Was macht eigentlich ein Bürgermeister?

Reiner Brombach überlegte nach Abschluss des Studiums, ob er als Rechtsanwalt, Staatsanwalt oder als Richter tätig sein wollte. Angesprochen von einer Kommune, ob er ein Rechtsdezernat aufbauen wolle, sagte er zu. Der Kontakt zu Menschen, die Arbeit in der Politik und die Möglichkeit, bei der Stadtentwicklung tätig zu sein, gefielen ihm. Nach insgesamt neun Jahren Tätigkeit wurde er auf Bückeburg aufmerksam. Die Stelle des stellvertretenden Stadtdirektors war neu zu besetzen und so wechselte Brombach 1989 nach Bückeburg.

Zur damaligen Zeit war noch eine Zweiteilung in der Vertretung der Stadt vorhanden: Es gab den Stadtdirektor, der die Verwaltungsarbeiten übernahm, sowie den Bürgermeister, der rein repräsentativ tätig war. Das war ein Relikt aus der Zeit der britischen Besetzung. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen galt diese Zweiteilung noch bis in die 90er Jahre. Zuerst änderte sich das in Nordrhein-Westfalen, dann wurde im Niedersächsischen Landtag abgestimmt, dass auch in Niedersachsen der Bürgermeister beide Tätigkeiten übernehmen sollte.

Vorher benötigte man für das Amt des Stadtdirektors entweder den Status eines Volljuristen oder die Befähigung zur gehobenen Laufbahn in der Verwaltung. Nach Aufhebung der Zweiteilung kann heute praktisch jeder das Amt des Bürgermeisters inklusive Verwaltung übernehmen. Voraussetzung ist das Erreichen des 23. Lebensjahres, sowie nicht älter zu sein als 65 Jahre. Brombach allerdings hält diese Lockerung für schlicht „eigenartig“, denn das Amt des Bürgermeisters ist heute in seiner Funktion viel bedeutsamer als bei der Zweiteilung.

Als die Wahlzeit als Stadtdirektor ablief, wollte er ursprünglich doch noch als Rechtsanwalt tätig werden oder alternativ, da er bereits seit zwanzig Jahren nebenamtlich als Dozent an der Uni tätig war, diese Aufgaben fortsetzen. Aber von der SPD als Kandidat aufgestellt, kandidierte er und wurde letztendlich gewählt.

Wie sieht nun so ein durchschnittlicher Tagesablauf eines Bürgermeisters aus?

Brombach erzählt, dass er sich jeden Tag vergegenwärtigt, was es Neues gibt. Konzeptionen, die man sich oder der Rat vorgenommen hat, müssen umgesetzt werden durch die Verwaltung als ausführendes Organ der Ratsbeschlüsse. Die Entwicklung der Stadt eigen initiativ oder durch andere initiiert nach vorne zu bringen, im Team der gesamten Verwaltung. Viele Termine – sowohl intern als auch extern – sind wahrzunehmen. Das Besondere ist dabei sicherlich, dass diese Termine häufig abends oder am Wochenende stattfinden. Im Vordergrund war für ihn immer klar, dass die Leitung der Verwaltung die maßgebliche Funktion ist. Repräsentation ist wichtig, aber die Arbeit innerhalb der Verwaltung wesentlich intensiver.

Er selbst ist froh, eine entsprechende Ausbildung und damit Fachkompetenz zu haben. Im Gegensatz zu einer völlig fachfremden Person, die als Bürgermeister gewählt würde, käme das für ihn nicht in Betracht, da er Verantwortung übernehmen muss, für Dinge, die er – aufgrund seiner Ausbildung – selbst fachlich übersehen kann. Er wolle nicht abhängig sein allein vom Wissen der Mitarbeiter, würde sich damit schlichtweg unwohl fühlen. Natürlich sei das kein Garant, aber es erleichtere die Arbeit.

Einräumend meint er, dass man sicherlich auch fachfremd erfolgreich sein könne, man müsse dann aber ein Gespür dafür haben, wie die Informationen umzusetzen sind. Er selbst kann beurteilen, wie schwer die Funktion einer Behördenleitung ist. Wie vielschichtig es in der Kommunalverwaltung zugeht. Es sei schwer, im Bau-, Sozial- oder Ordnungsbereich Entscheidungen zu treffen, wenn die gesetzlichen Grundlagen nicht bekannt sind. Von Vorteil ist, wenn man den Überblick hat, über die Sachen, die man entscheidet. Nicht im Detail, aber aufgrund der Ausbildung kann man mit kurzer Einarbeitung beurteilen, ob das so korrekt ist. Sehr oft sind zudem Entscheidungen unter verschiedenen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Dafür ist zudem eine gute Vernetzung wichtig.

Auf die Frage, wie er von außen gesehen wird und wie er damit umgeht, dass doch einige Leute der Ansicht sind, als Bürgermeister grüßt man gern auf Veranstaltungen, aber sonst hat man außer Tennisspielen und Kaffeetrinken nicht übermäßig viel zu tun, antwortet er mit einer Geschichte: Sein Sohn, damals fünfjährig, sei gefragt worden, was denn der Papa beruflich machen würde. Daraufhin sagte er, dass der Papa morgens ins Amt fährt und dort auf einer Maschine (vermutlich ist die Schreibmaschine gemeint) herumtickert. Und abends kommt er wieder nach Hause.

Brombach meint, je weniger konkretes Wissen man hat, desto mehr macht man sich ein eigenes Bild. Was die Presse beispielsweise sieht und schreibt, ist oft das, was am interessantesten ist. Der Bürgermeister macht zum Beispiel bei einem Neubau den ersten Spatenstich. Wie allerdings der Weg dorthin war, sieht man von außen nicht.

Er selbst hat die Erfahrung gemacht, dass man ihn oftmals nur als Repräsentant sieht. Er würde sich allerdings hüten, sich umgekehrt ein Bild von jemandem zu machen, wenn er von dessen Tätigkeit keine Ahnung habe. Der Bürger schätzt Menschen gern in einer Weise ein, die selten die Realität widerspiegelt. Deshalb werden öffentliche Repräsentanten meistens falsch beurteilt. Besonders, wenn man sie aus Karikaturen oder Kommentaren kennt. Dies sind häufig nur Schlaglichter.

Wie funktioniert aus der Sicht des Bürgermeisters eine gute Zusammenarbeit, gerade im Hinblick auf die Verwaltung?

Reiner Brombach hat für sich das Motto: „Man kommt in dem Moment weiter, wenn man davon überzeugt ist, dass der andere auch etwas Gutes möchte.“ Jeder möchte für die Stadt das Beste, aber die andere Meinung des Gegenübers muss nicht negativ gemeint sein, sondern der Andere hat nur einen weiteren Gesichtspunkt. Man selbst stellt sich dann die Frage, was reflektiert der Andere, warum denkt er so?

Daraus entstehen fast immer einstimmige Beschlüsse, er nennt es scherzhaft „kleine Koalitionsverhandlungen“. Man denkt sich in das Gegenüber ein, vernetzt sich. Er ist überzeugt davon, dass es in unserer Gesellschaft nichts gibt, was diametral nicht zueinander passt. Es ist immer möglich, Schnittmengen zu finden und auf einen Nenner zu kommen. Man lernt, dass es eine Weiterentwicklung gibt. Eigene Wünsche müssen nicht immer durchgesetzt werden. Das funktioniert im Amt, in der Politik und auch ganz im Kleinen in Familien.

Bürgermeister Brombach wirbt immer dafür, sich in das Gegenüber zu versetzen. Das ist auch seine Art, Entscheidungen im Team in der Verwaltung zu treffen. Somit ist der überwiegende Teil seiner Arbeit mit reinen Verwaltungstätigkeiten besetzt. Das Wenige, was von außen zu sehen ist, spiegelt nur einen Bruchteil des Aufgabenbereichs wieder, ist dafür aber das, was eher in Erinnerung bleibt.

Drei Fragen zu Bückeburg: „Was gefällt Ihnen an Bückeburg?“

Bückeburg ist, so Brombach, eine überschaubare in schöner Landschaft gelegene, mit guten Angeboten in allen Bereichen, kleine Stadt, in der man sich sehr wohlfühlen kann. Er sagt, er habe sehr dafür geworben, im Bereich Tourismus nicht nur Tagesgäste, sondern auch Urlaubsgäste hierher zu holen, denn das Angebot und die Umgebung verdienen diese Art Tourismus. Bückeburg und die Umgebung in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen müssten keinen Vergleich scheuen, (ausgenommen höchstens die Berge oder das Meer) und verfügten über nahezu alle Freizeitmöglichkeiten.

„Was gefällt Ihnen nicht an Bückeburg?“

Wenn er etwas ändern könnte, dann die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die abendliche Gastronomie. Und zwar deshalb, weil sich das Lebensgefühl geändert hat und man gern an lauen Sommerabenden länger als 23 Uhr draußen sitzen möchte. Einschränkend sagt er, dass er allerdings kein Fan von dauerhaft lauter Musik sei, aber abends länger draußen zu sein sei auch gesellschaftsfördernd. Er habe natürlich ein Verständnis für das Ruhebedürfnis. Sonst ist für die Stadt/Region immer noch ein Kontingent an Wünschen möglich. Aber nichts, wovon er seinen Verbleib hier abhängig machen würde. Und wie heißt es bei Wilhelm Busch so schön? „Ein jeder Wunsch, der sich erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“ Verharren sei ein Rückschritt, neue Ideen immer gut.

„Was würde Reiner Brombach einem Außenstehenden empfehlen, sich in Bückeburg anzusehen?“

Er würde empfehlen, sich erst einmal einen Überblick über die generelle Schönheit dieser kleinen kompakten Stadt zu machen, je nachdem, wo das eigene Interesse liegt (z. B. Gastronomie, Kultur, etc.). Dann würde er natürlich die „normalen Verdächtigen“ empfehlen, gegebenenfalls auf Dinge hinweisen, die nicht sofort erkennbar sind, wie das Bergbad, was für ihn eines der schönsten Freibäder Norddeutschlands ist. Außerdem würde er auf die Fürstliche Hofreitschule hinweisen, ein enormes Unternehmen für so eine Kleinstadt und die zudem zu den fünf Hofreitschulen Europas zählt.

Foto1: Bürgermeister Reiner Brombach an seinem Schreibtisch im Rathaus.

Foto 2: Dieser Stuhl wurde von der Familie von Strauß und Torney gestiftet und hat einen Ehrenplatz im Büro des Bürgermeisters.

Foto 3: Freies Reden ist eine der Stärken des amtierenden Bürgermeisters.

Foto 4: Das Ehrenamt liegt Brombach sehr am Herzen. Hier während der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Stadt Bückeburg.

 

 

 

 

 

 

 

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