„Menschen verwandeln sich in grausame Bestien“
Gedenkfeier mit Kranzniederlegung

Bückeburg (mm-10.11.19). „Am heutigen Tag erinnern wir an das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte, an die Pogromnacht vom 9. November 1938“, meinte Bürgermeister Reiner Brombach zu Beginn einer Gedenkfeier am Gedenkstein hinter dem Stadthaus, nachdem er dort einen Kranz niedergelegt hatte. Die Gedenkfeier wurde musikalisch umrahmt vom Posaunenchor Bückeburg unter der Leitung von Siebelt Meier.

In der Nacht vom 9./10. November 1938 habe das widerwärtige Naziregime sein wahres Gesicht gezeigt. Vorrangig Juden seien, auch in Bückeburg, verfolgt worden, die zuvor hoch angesehen in der Gesellschaft gelebt hatten und nun zu Untermenschen ernannt, verfolgt und millionenfach getötet wurden. Auch Sinti, Roma, Behinderte und Homosexuelle wurden Opfer des menschenverachtenden Systems.

Die Zukunft des Landes bereite Sorgen. Menschen mit jüdischen Glauben würden wieder verfolgt und fragten sich nach dem Anschlag von Halle, ob sie weiter in Deutschland leben können. „Ich fordere alle auf, besonders die jungen Menschen, alles zu tun – mit Worten und Taten -, damit dieses menschenverachtende System der Rechtsextremisten nicht wieder Platz in unserer Gesellschaft bekommt“, so der Bürgermeister. „Erst kommen die gewalttätigen Gedanken, dann die Worte und schließlich die Gewalttaten – wehret den Anfängen!“

Brombach erinnerte daran, „dass wir seit 74 Jahren ein funktionierendes System in Deutschland haben, mit kleinen Fehlern, wir aber weiter in einer demokratischen Gesellschaft leben wollen, in der Rechte von Minderheiten beachtet“ werden.

„Vergessen macht Leben unmenschlich“, sagte Marina Jalowaja, Vizepräsidentin des Landesverbandes jüdischer Gemeinde. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 sei beim von den Nationalsozialisen organisierten Massenpogrom jüdisches Leben fast vollständig vernichtet, Synagogen und Kultureinrichtungen zerstört und Geschäfte geplündert worden.

Die deutsche Bevölkerung sei, so Jalowaja, auf die Probe gestellt worden, alle hätten die Chance gehabt, dem Wahnsinn Halt zu gebieten. Nach dem Krieg habe es in der Bundesrepublik Vertrauen in Demokratie und Rechtsstaat gegeben. „Aber immer wieder gibt es Anlass zur Sorge, der Antisemitismus ist in Deutschland immer noch vorhanden – die jüngere Generation ist aufgefordert, Demokratie und Menschlichkeit zu bewahren“.

„Ein schönes Land, in dem man so gut leben kann, in dem so grausame Dinge geschehen konnten, ein christliches Land, in dem so wenige Kirchenmitglieder ihre Stimme erhoben konnten“, wunderte sich Pastor Thomas von der katholischen Gemeinde St. Marien Bückeburg. „Es steckt in uns allen, Menschen verwandeln sich in grausame Bestien“, zitierte Pastor Thomas den evangelischen Theologen Helmut Gollwitzer.

Alle seien durch Feigheit, Bequemlichkeit, Trägheit und Augen-zu-machen beteiligt gewesen. „Ich habe Hoffnung, nicht untätig zu sein, wenn es von mir verlangt wird; es kann von uns allen verlangt werden – jeder von uns trägt Verantwortung, gegen Antisemitismus, Hasse, Gewalt und Intoleranz zu kämpfen, um in Frieden und Freiheit miteinander leben zu können.“

An der Gedenkfeier haben auch mehrere Ratsmitglieder von SPD und Bündnis 90/Die Grünen teilgenommen; vermisst haben einige Besucher an diesem Samstagvormittag den einen oder anderen Lehrer mit seiner Schulklasse.

Foto 1: Bürgermeister Reiner Brombach legt am Gedenkstein einen Kranz nieder.

Foto 2: Marina Jalowaja

Foto 3: Pastor Thomas

Foto 4: Der Posaunenchor Bückeburg

Foto 5: Reiner Brombach: „Kein Platz für Rechtsextremisten in unserer Gesellschaft“

 

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