Integration von Flüchtlingen
Diskussion mit Landrat Farr und Heidemarie Hanauske (AWO)

Bückeburg (sc-19.08.18). Die Senioren-Union unter dem Vorsitz von Ruth Harmening hatte zu einem Vortrag zum Thema „Flüchtlinge“ in den Le-Theule-Saal eingeladen. Als Referenten standen Landrat Jörg Farr sowie Heidemarie Hanauske, Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbandes Schaumburg, zur Verfügung. Im Jahr 2015/16 seien 800.000 bis 1.000.000 Flüchtlinge pro Jahr nach Deutschland gekommen. 140 Flüchtlinge sind damals einmal pro Woche in den Landkreis angereist. Der Stand heute, vielmehr Juni 2018, ist, dass ungefähr 13.254 Asylanträge gestellt werden, ca. 150.000-160.000 Flüchtlinge pro Jahr nach Deutschland kommen. 10 % davon gehen nach Niedersachsen, 2 % nach Schaumburg. 26 % der Anträge werden als schutzwürdig anerkannt, Insgesamt 42.000 Anträge müssen noch beschieden werden.

Die Situation im Landkreis sei, so Farr, relativ konstant. Derzeit kämen ca. 20 Personen neu pro Monat dazu. Damals sei die erste große Aufgabe gewesen, die Ankommenden medizinisch zu versorgen und ihnen Essen zu geben. Heute sei die Hauptaufgabe die Integration. Von der Altersstruktur her sei ein hoher Anteil an jungen Menschen vorhanden, ein Drittel aller Flüchtlinge sei minderjährig im Alter von 0-17 Jahren. Farr sieht darin einen Vorteil, denn junge Menschen lernen leichter die Sprache durch Kindergarten und Schule. In der Altersklasse bis 25 sei der Anteil der Flüchtlinge insgesamt bei 60 %.

Wichtig sei auch eine dezentrale Unterbringung, keine Ballung auf einem Raum. Eine gleichmäßige Verteilung auf alle Gebiete im Landkreis. Man habe damals schon sämtlichen verfügbaren Wohnraum zur Verfügung gestellt, dass waren 450 Wohnungen quer über den Landkreis verteilt. Auch z. T. unbewohnte Wohnungen, die entsprechend saniert worden sind. Einiges an Wohnraum sei nur vorübergehend genutzt worden, wie z. B. die Mehrzweckhalle der Jägerkaserne. Das bevorzugte Wohngebiet sei heute Stadthagen. Das läge natürlich auch daran, dass dort die Ausländerbehörde ansässig ist, sowie das Jobcenter. Außerdem sei die Mietstruktur entsprechend und schon andere Familien vor Ort.

Allgemein zeigte sich Farr dankbar, dass er mit der AWO einen Partner an der Seite hat, der aus dem Jugoslawien-Krieg in den 90er Jahren über Erfahrungen mit Flüchtlingen verfügt. Deshalb bezuschusst der Landkreis diese Arbeit. Die AWO habe bei der Erstorientierung Ansprechpartner, die gute und wichtige Sozialarbeit leisten. Auch sehr bedeutsam sind die vielen Ehrenamtlichen.

Nachdem Landrat Farr nach eigenen Aussagen für „Zahlen, Daten, Fakten“ zuständig sei, übernahm Heidemarie Hanauske die weiteren Ausführungen. Sie schilderte, wie die Flüchtlinge damals im Landkreis angekommen seien. In Bussen, ohne Verpflegung. Das erste war damals, ein „Dach über den Kopf“ zu bekommen, dazu Essen und medizinische Erstversorgung. Manche hatten noch eine Tüte mit Kleidung dabei, viele kamen ohne alles. Der nächste Tag diente der Orientierung, wie und wo kann man sich selbst versorgen, wie funktioniert das medizinische Versorgungssystem. Ein heikles Thema sei leider die Mülltrennung, die bis heute nicht wirklich richtig angewendet würde.

Hanauske sagte ganz klar, dass auch wir eine Erwartungshaltung den Flüchtlingen gegenüber haben, nämlich die, die deutsche Sprache zu erlernen. Wenn so viele unterschiedliche Menschen zusammentreffen, dann gibt es dort natürlich diejenigen, die sich vom ersten Tag an integrieren wollen. Aber es gibt auch Menschen, die diese Voraussetzung nicht mitgebracht haben. Es gilt aber, wenn man hilft, dann darf man auch erwarten, dass sich integriert wird.

Einige Probleme, die jetzt auftreten, wie z. B. der Lehrermangel, gab es schon vor den Flüchtlingen. Nicht alles ist also diesem Thema zuzuschreiben. „Integration ist wichtig, dafür werden wir jedoch noch sehr lange brauchen“, weiß Hanauske. Die neuen Familien sollten sich nicht allein mit Landsleuten „abschotten“. Auch wenn „nur“ 20 Menschen pro Monat kommen, muss auch weiterhin eine massive Unterstützung gewährleistet werden.

Für den heimischen Arbeitsmarkt eine gute Situation. Gerade der Bereich Handwerk ist dringend auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. 2.300 Flüchtlinge sind derzeit im Kundenstamm des Jobcenters. Zur Unterstützung würden immer wieder Sprachkurse, auch von Ehrenamtlichen, angeboten. Zur Integration gehören besonders Bildung und Spracherwerb. Erste Erfolge haben sich bereits gezeigt. Außerdem findet eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten, wie z. B. Landkreis, Handwerkerschaft, Ausbildungszentren, AWO, VHS, Bildungseinrichtungen usw. statt.

Stephan Hartmann von der AWO konnte diesbezüglich noch ein paar Hinweise geben. Etwa, wie Flüchtlinge dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt werden, wie die Meldepflicht funktioniert und wie Unterbringung und Versorgung ablaufen. Dass das Thema mehr als brisant ist, zeigte sich dann an den Fragen der Zuhörer, die – ähnlich, wie es in den Printmedien deutschlandweit zu lesen ist – sich besorgt zeigten, gerade ob der vielen jungen Männer, die im Ort zu sehen sind und der Überlastung des Gesundheitssystems.

Foto 1: Landrat Jörg Farr, Heidemarie Hanauske (l.) und Ruth Harmening

Foto 2: Interessierte Zuhörer, die ihrerseits viele Fragen stellen

 

 

 

 

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