„Wir leben hier recht sicher“
Kriminalität in Schaumburg

DSC_0221Bückeburg (mm-22.04.15). Auf einer gut besuchten öffentlichen Informations- und Diskussionsveranstaltung der Senioren Union im CDU-Stadtverband Bückeburg im „Le Theule Saal“ des Rathauses haben Eike Höcker, Präsidentin des Landgerichts Bückeburg, und Werner Steding, Leiter des Polizeikommissariats Bückeburg, über das Thema „Kriminalität in Schaumburg – Was beschäftigt die Gerichte“ diskutiert. „Wir können in Schaumburg sicher leben – das ist der guten Arbeit der Polizei zu verdanken“, zog Eike Höcker am Ende der Veranstaltung ein positives Fazit.

Friedrich Pörtner, der Vorsitzende der Senioren Union, sprach einleitend von dem gesellschaftlichen Phänomen der Kriminalität, das oft Gegenstand persönlicher Gespräche sei und hoffte auf genaue Zahlen und das Aufzeigen von Entwicklungstendenzen. Werner Steding berichtete dann von 10.419 Straftaten im Jahr 2014, gegenüber 9.290 im Jahr 2013. Eine Vielzahl von Verfahren sei allein durch den Trauermarsch von Bad Nenndorf hinzugekommen.

DSC_0220Die Polizei, so Steding, müsse Schwerpunkte setzen und da seien Wohnungseinbrüche wichtiger als Schwarzfahrten in den Zügen der DB. Die Aufklärungsquote hat mit 64,59 Prozent einen neuen Höchstwert erreicht. „Wir leben hier recht sicher“, so der Leiter des Polizeikommissariats Bückeburg. Von den über 10.000 Straftaten entfielen 0,02 Prozent auf Straftaten gegen das Leben und 1,06 Prozent auf Sexualdelikte. Diebstähle nehmen einen breiten Raum ein, und die Vermögensdelikte („Internet“) machen fast ein Viertel der Delikte aus.

Ein Arbeitsschwerpunkt der Polizei im Landkreis ist die Wohnungseinbruchskriminalität. Bei über 10.000 Straftaten und rund 155.000 Einwohnern seien die 255 Wohnungseinbrüche in 2014 eine Zahl, „von der andere Länder träumen“. Steding verweist auf die Präventionstipps der Polizei, die auch regelmäßig veröffentlicht werden und bittet die Bevölkerung zugleich um Hinweise bei Auffälligkeiten in Geschäften und Supermärkten, wenn es um Trickdiebstähle insbesondere zu Lasten älterer Menschen gehe.

Eike Höcker verdeutlichte, dass nur etwa ein Zehntel aller Straftaten in einem gerichtlichen Verfahren verhandelt werden. Zur Anklage kommt es nur, wenn ein Täter bekannt ist und noch lebt. Es gäbe keine Strafverfahren gegen Tote, auch wenn es für Angehörige von Opfern oft unerträglich sei. Die Staatsanwaltschaft entscheidet über eine Anklage; Voraussetzung ist ein hinreichender Tatverdacht.

DSC_0216Die von der Präsidentin des Landgerichts Bückeburg verwendeten Zahlen unterschieden sich deutlich von den Zahlen der Polizei, zumal sie über einen Zeitraum von fünf Jahren ermittelt worden waren. So kommen Trickdiebstähle bei Gericht gar nicht erst vor, weil die Täter über die Autobahn im Regelfall schnell verschwunden sind. Bei der Justiz machen Sexualstrafdelikte mehr als 40 Prozent aus, ein großer Bereich ist der sexuelle Missbrauch von Kindern. Höcker bezeichnete die 19 Verfahren in den vergangenen fünf Jahren als eine „ungeheure Zahl“. Die Täter stammten überwiegend aus dem sozialen Nahbereich der Kinder, also engste Angehörige und Freunde der Familie „und nicht der böse fremde Mann im Gebüsch“.

Einen Missbrauch in den Familien gäbe es seit Jahrhunderten, besonders stark bis in die 1950er Jahre; dank einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung sei er aber kein Tabuthema mehr, so dass sich die Opfer heute offenbaren könnten. In den vergangenen fünf Jahren sei es zusammen mit den versuchten Taten zu sieben Tötungsdelikten gekommen, eine „überschaubare Zahl“. Die Betäubungsmitteldelikte machen bei der Justiz 14 Prozent aus, und 21 Prozent entfallen auf räuberische Erpressung und schweren Raub.

Werner Steding stellte abschließend fest, dass es für eine Frau in Schaumburg noch nie so sicher war, nachts über die Straßen zu gehen und so unwahrscheinlich, dabei Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden. Er räumte aber ein, dass mit zunehmendem Alter und nachlassenden Kräften das subjektive Empfinden vorhanden ist, einem potentiellen Täter wehrlos ausgeliefert zu sein.

Foto 1: Friedrich Pörtner

Foto 2: Werner Steding

Foto 3: Eike Höcker

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