„Wir dürfen Flüchtlinge nicht allein lassen“
Kreis setzt auf dezentralisierte Unterbringung

AWO Flüchtlinge 06.07.15 01Bückeburg (mm-06.07.15). „Bedenken kann ich abbauen, wenn ich erkenne, dass die Flüchtlinge in meiner Nachbarschaft ganz normale Menschen sind, die sich in Sicherheit eine neue Perspektive aufbauen und dafür sofort Deutsch lernen wollen“, meinte Heidemarie Hanauske, die Geschäftsführerin des AWO-Kreisverbandes zum Ende einer Diskussionsveranstaltung. Der AWO-Ortsverein Bückeburg hatte zu dem Informationsabend in das „Alte Forsthaus“ eingeladen. Unter dem Titel „Unterbringung von Flüchtlingen in Bückeburg – Herausforderung und Chancen“ berichteten zunächst Stephan Hartmann, Vorsitzender des AWO-Ortsvereins Bückeburg, Heidemarie Hanauske, Klaus Heimann, Erster Kreisrat beim Landkreis Schaumburg, Veronika Matamu, Flüchtlingssozialarbeiterin bei der AWO, und Raimund Knoll, pensionierter Lehrer und Ehrenamtlicher, über ihre Arbeit.

Stephan Hartmann erinnerte daran, dass seit der ersten Veranstaltung vor einem Jahr, als die ersten Flüchtlinge in Warber erwartet wurden, viel passiert sein. Bückeburg habe sich der Herausforderung gestellt, hauptamtliche Kräfte der AWO und viele Ehrenamtliche hätten Wege gesucht und gefunden, wie man die Flüchtlinge willkommen heißen kann. Beispielhaft nannte Hartmann die Deutschkurse der Caritas und das Café International von „Alle unter einem Dach“. Im Januar sei von Bürgermeister Reiner Brombach aufgezeigt worden, dass noch mehr Flüchtlinge nach Bückeburg kommen. Nach den Unterbringungsmöglichkeiten am Bahnhof und am Knatenser Weg sind die Häuser an der Königsberger Straße in den Fokus geraten und inzwischen vom Landkreis belegt worden.

AWO Flüchtlinge 06.07.15 03Klaus Heimann erläuterte den über 70 Besuchern, dass der Landkreis in Anlehnung an das Leverkusener Modell auf eine dezentrale Unterbringung und eine Verteilung der Flüchtlinge über das gesamte Kreisgebiet setzt, um so die Integration zu erleichtern. In diesem Jahr habe der Landkreis etwa 800 Flüchtlinge unterzubringen. Dabei handele es sich zurzeit um Menschen aus Syrien, Iran, Irak, Albanien, Afghanistan, aber auch aus den Balkanländern. Dem Landkreis stehen inzwischen 125 Wohnungen zur Verfügung. „Wir dürfen die Flüchtlinge nicht allein lassen, brauchen Sozialarbeiter, die auftretende Konflikte sofort aufgreifen können“, betonte Heimann. Fünf Sozialarbeiter werden von der AWO und einer von der Stadt Rinteln eingesetzt. Er sei froh, die AWO an seiner Seite zu haben. „Sozialarbeiter können es allein nicht schaffen; es gibt aber eine Hilfsbereitschaft durch Ehrenamtliche, die ich in dieser Form nicht erwartet habe“, so Heimann.

AWO Flüchtlinge 06.07.15 02„Aufgabe der Flüchtlingssozialarbeiter ist es, die eingetroffenen Flüchtlinge in Empfang zu nehmen und ihnen Hilfe bei der Erstorientierung zu geben“, berichtete Hanauske. Dabei gehe es um eine Aufklärung über für uns selbstverständliche Dinge wie Müllbeseitigung, ÖPNV, Auswahl der Schule für die Kinder. Dazu kommen, wie Veronika Matamu ergänzte, die Begleitung zum Sozialamt und zur Ausländerbehörde, Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen, Herstellung von Kontakten zu Ärzten und zu Sportvereinen. Ganz wichtig seien das Aufsuchen der Nachbarn und die Koordinierung der Ehrenamtlichen. 34 Flüchtlinge wurden in der Königsberger Straße untergebracht. Beim Aufsuchen der Nachbarn sei sie, so Matamu, auf „offene Menschen“ getroffen.

AWO Flüchtlinge 06.07.15 04„Man muss Menschen mögen“, meinte Raimund Knoll, der als pensionierter Lehrer sich um die Verbesserung der Sprachkenntnisse der Flüchtlinge kümmert. Die Arbeit sei unter den Ehrenamtlichen schnell verteilt; es müssten Fernseher und Fahrräder besorgt werden. „Empathie und Verständnis für die Flüchtlinge und für die Nachbarn ist für die ehrenamtliche Mitarbeit erforderlich“, so Knoll. Wann kommen die Nächsten? Lernt sie kennen! Wir wollen etwas tun – jeder ist herzlich willkommen“, betonte Knoll.

Anka Knechtel sprach den Unmut einiger Anwohner im Vorfeld der Veranstaltung an, die sich geäußert haben sollen, über die geplante Aufnahme der Flüchtlinge in der Königsberger Straße schlecht informiert worden zu sein. Da aus diesem Personenkreis niemand anwesend war, bedauerte Knechtel, „dass kein Austausch stattfinden kann, der aber wichtig sei, um Ängste aufzugreifen.“

Foto 1: Stephan Hartmann und Veronika Matamu

Foto 2: Klaus Heimann

Foto 3: Heidemarie Hanauske

Foto 4: Raimund Knoll

 

 

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