„Adler oder Erdmännchen?“
Bernd Gieseking: Hoffnungskabarett für Männer um die 50

Bückeburg (mm-18.09.20). „Einen Künstler in Hochform“, versprach Johanna Harmening, die Geschäftsführerin des Kulturvereins, als sie zum Auftakt der dreiteiligen Veranstaltungsreihe „Unterhaltung zum Abheben“ die Besucher im Hubschraubermuseum begrüßte. Gleich zweimal präsentierte Bernd Gieseking (Foto) am Mittwochabend vor jeweils 60 Gästen sein Programm: „Gefühlte Dreißig – Ein Hoffnungskabarett für Männer um die Fünfzig“.

„Ich bin gespannt, welches das bessere Publikum ist“, witzelte der Kabarettist zu Beginn der Abendveranstaltung. Es sei ein großes Geschenk, wieder auftreten zu können. „Vielen Dank für das Eintrittsgeld, meine Mutter und mein Vermieter haben sich bereits Sorgen gemacht!“

Bernd Gieseking (61) kommt aus Minden-Kutenhausen („ich bin einer von euch“), hat im „Minchen“ die erste Pizza seines Lebens gegessen und kommt freitags auch schon einmal zum Wochenmarkt nach Bückeburg. Der gelernte Zimmermann hat später Kunst studiert und dann das Kabarett als Lebensstil definiert. Im Herbst 2019 ist sein neuester Erzählband „Ja klar, ich bin schuld“ erschienen. Der Mindener gilt als einer der ersten mit einem satirischen Jahresrückblick.

„Die sehen aber alt aus“, stellte Gieseking fest, als er in Begleitung seiner Freundin zu einem Klassentreffen in der Mindener Kneipe „Zum seriösen Fußgänger“ ankam. Ansonsten denkt er nicht so gern an die Schulzeit mit den „Alt-Nazis im Lehrerkollegium“ zurück.

Die Kindheit sei damals eben anders gewesen. Der Satz „hast du heute schon dein Kind gelobt?“ habe es nicht bis Ostwestfalen geschafft. Ein Problem seien heute die Mütter mit den „überbehüteten Kindern“. In einer Gaststätte in Dortmund hat er mal den Satz „mein Kind hat einfach keine Pampas-Figur“ am Nebentisch aufgeschnappt.

„Heute schließen sich die Menschen gegen die Impfpflicht zusammen, bevor es den Impfstoff gibt“, wundert sich Gieseking über die Veränderungen und verweist auf die Pockenimpfung. „Jeder hat es auf dem rechten Oberarm, wir tragen die Narbe statt eines Tattoos.“ Früher habe man sich laufend eine angesteckt, heute würden wir Infektionen übertragen. Damals sei man Punk gewesen, heute gehe man zur Fußpflege.

Gieseking glaubt, dass die Männer einen Partner fürs Leben wollen, auch wenn wir von dünn zu dick wechseln. „Wir Männer wurden geboren, um Helden zu werden; wenn wir uns heute treffen, erzählen wir uns unsere Heldentaten.“ Als Vorbilder galten Tarzan, die Musketiere und Winnetou. „Wir glauben, dass wir Siegfried sind, eben unverwundbar, bis wir merken, dass wir verletzlich sind.“ Es sei die Frage, was nach Fünfzig kommt, wo der Körper bislang so super gehalten hat. „Es liegt an dir, ob du Adler bist oder Erdmännchen!“

Mit einer Portion Selbstironie, viel Humor, aber nie übertrieben bösartig, bot Bernd Gieseking 75 Minuten lang gute Unterhaltung. Ein gelungener Auftakt für „Unterhaltung zum Abheben“, eine Veranstaltungsreihe, die im fünften Jahr vom Kulturverein in Kooperation mit der Volksbank in Schaumburg und dem Hubschraubermuseum angeboten wird.

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