Wiener Comiczeichner Nicolas Mahler erhält den Wilhelm-Busch-Preis 2026

(shgl – 4.4.26) Der Wiener Comiczeichner und Illustrator Nicolas Mahler wird mit dem diesjährigen Wilhelm-Busch-Preis für satirische und humoristische Zeichenkunst und Versdichtung ausgezeichnet. Der Wilhelm-Busch-Preis wird alle zwei Jahre von der Stiftung Sparkasse Schaumburg, der Schaumburger Landschaft und den Schaumburger Nachrichten verliehen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Wilhelm Busch gilt als Wegbereiter des modernen Comics. Jahrzehntelang lebte und arbeitete er in seinem Geburtsort Wiedensahl in Niedersachsen. Seine Zeichnungen und sein brillanter Sprachwitz sind bis heute beeindruckend. Der Wilhelm-Busch-Preis würdigt im deutschsprachigen Raum Autorinnen und Autoren, die sich in ihrer Arbeit der künstlerischen Qualität und der Tradition Wilhelm Buschs verbunden und verpflichtet fühlen. Dabei sind nicht nur deren Fähigkeiten als satirische Erzähler gefragt, sondern vor allem auch eine ästhetisch-hochwertige Zeichenkunst. Bisherige Preisträger waren Robert Gernhardt, F.W. Bernstein, Vicco von Bülow (Loriot), Ernst Kahl, Franziska Becker, Hans Traxler, Ralf König, Isabel Kreitz und Mawil. 2024 hat Hilke Raddatz den Wilhelm-Busch-Preis erhalten.

Mit Nicolas Mahler zeichnet die Jury des Wilhelm-Busch-Preises einen international bekannten und höchst erfolgreichen Künstler aus. Nachdem er bei der kunstakademischen Aufnahmeprüfung an der zeichnerischen Wiedergabe eines Wasserglases mit Löffel gescheitert war, begann Nicolas Mahler, der 1969 in Wien geboren wurde, seine Zeichenkarriere. Zu Beginn, Ende der 1980er Jahre, zeichnete er Comicstrips für Zeitschriften und Zeitungen. Die auftragsschwachen 1990er Jahre überwand er durch Arbeiten als Illustrator für Wirtschaftsmagazine und Schul- und Kinderbücher.

Mit dem „KABINETT für Wort und Bild“ schuf Nicolas Mahler 2003 gemeinsam mit den Zeichnern Rudi Klein und Heinz Wolf im Wiener Museumsquartier einen öffentlichen Platz für Comic und Artverwandtes. Seit 2006 firmiert dieser Ort als KABINETT Comic Passage. Mahlers Bekanntheit steigerte sich ab den späten 1990er Jahren, als er seine Werke auch im Ausland veröffentlichte. Besonders erfolgreich war das 2005 erschienene und 2008 ins Französische übersetzte Buch „L‘ art sans madame goldgruber – saillies“, eine persönliche Geschichte über seine Finanzbeamtin. Es markierte den Start einer steten Karriere. Werke von Nicolas Mahler wurden insgesamt bereits in 14 Sprachen übersetzt.

Nicolas Mahlers Humor ist zeitlos. Er besticht durch absurden Witz und skurrile Figuren und wirkt länderübergreifend. Begeisterte Anhänger finden sich weltweit, in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien oder Nordamerika. Seit Ende der 1990er Jahre erscheinen Mahler-Strips in Zeitungen und Zeitschriften. In den mittlerweile über 60 Publikationen lässt er seine typischen Figuren auftreten, egal ob als „Flaschko, der Mann mit der Heizdecke“ (2002) oder „Akira Kurosawa und der meditierende Frosch“ (2023). Seine abgründigen Geschichten zwischen Autofiktion und reiner Erfindung erfreuen sich einer großen Leserschaft.

2011 begann Mahler als erster Comiczeichner auch für den deutschen Suhrkamp-Verlag zu arbeiten. Andreas Platthaus, Feuilleton-Redakteur der FAZ und Comicexperte, war Herausgeber der Comicreihe, und so entstanden die später weithin bekannten Literatur-Adaptionen. Klassiker der Weltliteratur von James Joyce bis Franz Kafka wurden adaptiert und mit dem Geist der Ironie angereichert. Mahler selbst spricht von „Verwurstung“ des literarischen Materials und betont, dass diese Werke keine Parodie seien. Er nimmt die literarischen Stoffe und verleiht ihnen Spannungsmomente, die auf neue Pointen zulaufen. Die Vorarbeit für derlei Literatur-Adaptionen ist umfassend, denn der Comiczeichner und akribische Forscher recherchiert und liest ein Jahr lang, bevor er mit dem Zeichnen beginnt.

„Ich denke weitaus mehr nach, als ich zeichne, das war auch eigentlich immer mein Ziel“, sagt Nicolas Mahler im Interview mit dem Suhrkamp-Verlag. Deshalb gelingt es ihm, mit wenig Zeichnung viel Inhalt rüberzubringen. Sein Strich ist minimalistisch und die Physiognomie seine Figuren knapp umrissen, die Inhalte sind raffiniert und haben delikaten Witz. Die für Wien typische Melancholie prägt auch das Werk des Preisträgers. Seine Figuren scheinen fast metaphysisch verloren in der Welt zu stehen und dort stehen sie, gemäß dem Motto: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.

Die Jury des Wilhelm-Busch-Preises 2026 zeichnet mit Nicolas Mahler einen Künstler aus, der nicht nur großartige Comics liefert, sondern auch den harten Weg eines Genres gegangen ist und zu dessen öffentlicher Aufwertung beigetragen hat. Seit Jahren hält die neunte Kunst ganz verdient Einzug in die Feuilletons, Museen, Literaturhäuser und Bibliotheken der Welt. Mit Nicolas Mahler wird ein Comiczeichner geehrt, der mit seinem reduzierten Zeichenstil, seinem tiefschwarzen trockenen Humor und mit uneitlem Witz den Lauf der Welt begleitet. Dass er als erster österreichischer Wilhelm-Busch-Preisträger aus dem Kernland der Ironie kommt, ist auch eine Aufwertung des Preises selbst.

Mahlers Comics und Cartoons erschienen in Zeitungen und Magazinen wie Die Zeit, NZZ am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und in der Titanic. Der Künstler erhielt für sein umfdassendes Werk mehrere Auszeichnungen, so u.a. 2010 den Max und Moritz-Preis als »Bester deutschsprachiger Comic-Künstler«, 2015 den Preis der Literaturhäuser und 2019 den Sondermann-Preis. Seit 2024 ist Mahler künstlerischer Leiter der Schule für Dichtung in Wien, wo er auch lebt und arbeitet.

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