Interhelp stellt erneut großen Hilfstransport zusammen – Bückeburger Arzt hilft
(pm – 23.2.26) Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine geht am 24. Februar in sein fünftes Jahr. Er fordert tagein, tagaus Tote und Verletzte. Die Hamelner Hilfsorganisation Interhelp hatte bereits kurz nach der Annexion der Krim im März 2014 erste humanitäre Hilfsmaßnahmen eingeleitet. Aktuell bereiten die Ehrenamtlichen wieder einen großen Hilfstransport vor. Er soll so bald wie möglich starten.
VON CAROLINE SANTOWSKI
Olena Yampolska sitzt in ihrer kleinen Küche – eingehüllt in eine Decke mit Rosenmuster und mit einer dicken Wollmütze auf dem Kopf. Ihr Blick ist leer. Ihre Augen sind feucht. Wie oft die Ärztin aus Charkiw im Nordosten der Ukraine in den vergangenen vier Kriegsjahren schon geweint hat, weiß sie nicht. Aber es ist oft passiert. Tote, Verletzte, Verstümmelte, Explosionen, Flammen, Rauch – und immer wieder Luftalarm: Das ist zu einer Art Routine geworden, an die sich Olena Yampolska nicht gewöhnen möchte. Es ist eiskalt – in der Wohnung. Und draußen noch viel mehr.
Russland greift gezielt die Infrastruktur an. Immer wieder wird die Stromversorgung unterbrochen, fallen in den Wohnblocks, die nicht von Raketen und Killer-Drohnen zerstört wurden, die Heizungen aus. Der Winter ist zur Kriegswaffe geworden. Not macht bekanntlich erfinderisch: Die Ärztin hat in den Trümmerbergen zwei Backsteine gefunden und sie mit nach Hause genommen. Sie hat einen kleinen Herd. Um Gas zu sparen, erhitzt sie immer mal wieder kurz die Steine. Sie sollen etwas Wärme abstrahlen.
In Hameln und Bückeburg sind am vierten Jahrestag des russischen Angriffskrieges ehrenamtliche Helfer der Interhelp – Deutsche Gesellschaft für internationale Hilfe damit beschäftigt, gespendete medizinische Hilfsgüter zu sortieren und zu verpacken. Interhelper Tom Beck hat kostenlos eine Halle zur Verfügung gestellt. Darin lagern Dinge, die dringend benötigt werden in der Ukraine. „Wir haben medizinische Geräte, komplette Praxis-Einrichtungen und sogar ein Pflegebett bekommen“, sagt der Interhelp-Vorsitzende Ulrich Behmann. Die Hamelner Ärztin Dr. Katrin Niederhut und der Arzt Ulrich Mohr aus Bückeburg haben einen Großteil der Spenden für die Ukraine bereitgestellt. Interhelp-Mitglied Hannelore Radke steuerte ein neuwertiges Pflegebett bei.
Der THW-Ortsverband Hameln, mit dem Interhelp seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet, rückte mit Manpower und Lastwagen aus, um die Spenden abzuholen und zum Zwischenlager zu transportieren. „Das ist doch Ehrensache“, sagt THW-Chef Tobias Tasler. „Wir Ehrenamtler halten zusammen.“ Der Bückeburger Arzt Ulrich Mohr ist voll des Lobes: „Die Abholung der Praxisausstattung durch das Technische Hilfswerk hat sehr gut und problemlos geklappt. Das ist eine nette und hilfsbereite Truppe. Ich hoffe, dass die medizinischen Geräte, mit denen ich gearbeitet habe, in der Ukraine noch vielen Menschen helfen werden.“
Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe, der selbst an der polnisch-ukrainischen Grenze tatkräftig mit Interhelp im Hilfseinsatz war, ruft weiter zu Spenden auf. „Jeder Euro hilft. Bitte helfen Sie uns helfen“, appelliert das Interhelp-Vorstandsmitglied.
Wer flüchten konnte, hat seine Heimat verlassen: Allein in der Stadt Hameln leben 1394 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Auch in Bückeburg haben viele Frauen, Männer und Kinder Schutz gesucht – vor Raketen und Drohnen, die Tod und Verderben bringen.
Insbesondere alte Menschen, die nicht flüchten konnten oder wollten, und Kinder leiden unter Krieg und Terror. Nach Unicef-Angaben wurden durch russische Angriffe seit dem 24. Februar 2022 mehr als 3.200 Kinder getötet oder verletzt. „Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der getöteten und verletzten Kinder gegenüber 2024 um zehn Prozent“, so Unicef. Damit ist die von den Vereinten Nationen verifizierte Zahl getöteter und verletzter Kinder bereits im dritten Jahr in Folge gestiegen.
Die jüngsten Angriffe auf die zivile Energieinfrastruktur haben Millionen Kinder und Familien in eine lebensbedrohliche Lage gebracht: Bei eisigen Temperaturen müssen sie teils tagelang ohne Heizung, Strom und Wasser auskommen. „Besonders Babys und Kleinkinder sind unter diesen Bedingungen gefährdet – etwa durch Atemwegserkrankungen und Unterkühlung“, so Unicef. „Gleichzeitig geraten medizinische Einrichtungen durch die Angriffe und die eingeschränkte Energieversorgung zunehmend unter Druck. Allein im Jahr 2025 wurden fast 200 medizinische Einrichtungen beschädigt oder zerstört.“
Die psychischen Belastungen durch den Krieg nehmen immer weiter zu. Die ständige Angst vor Angriffen, das wiederholte Ausweichen in Schutzräume und die Isolation zu Hause mit nur wenigen sozialen Kontakten belasten viele Jugendliche stark.
Daheim in ihren eisigen vier Wänden starrt die Ärztin Olena Yampolska ins Leere. Es scheint so, als halte sie sich an einem Becher mit Tee fest, den sie mit Mühe auf den erhitzten Backsteinen erwärmt hat.
Im Weserbergland sammelt Interhelp weiter Spenden, um Ärzten, Sanitätern, Feuerwehrleuten, Senioren und Kindern helfen zu können. Notfallrucksäcke, Gasmasken und Filter gegen Giftgase werden dringend benötigt, aber auch Konserven, starke Schmerzmittel und Aderpressen.
Wer Interhelp mit Geldspenden unterstützen möchte – hier sind die Spendenkonten:
- IBAN DE32 2545 0110 0000 0332 33 (Sparkasse Hameln-Weserbergland)
- IBAN DE49 2546 2160 0700 7000 00 (Volksbank Hameln-Stadthagen).
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