IGS Helpsen: Hermine Katz und das ungeheure Wissen der Dachböden
(igs – 29.1.26) Unser 7. Jahrgang durfte eine besondere Theatervorstellung besuchen. Die Freie Bühne Wendland war mit der Schauspielerin Kerstin Wittstamm zu Gast, die in dem Stück „Hermine Katz und das ungeheure Wissen der Dachböden“ die Geschichte der jüdischen Familie Mansfeld aus Lüchow erzählte. Was war da los, überall in Deutschland, vor bald einhundert Jahren? In der Darstellung vieler unterschiedlicher Charaktere ihres damaligen Heimatortes vermittelte Frau Wittstamm als Hermine Katz den Schüler*innen eindrücklich die Schwierigkeiten und Ungerechtigkeiten, denen die Familie Mansfeld während des Hitlerregimes ausgesetzt war.
Ausgehend von einer zunächst vollständig integrierten Familie in den 1920iger Jahren zeigte das Stück die zunehmende Ausgrenzung: erste Enteignungen, die bereits zu Kriegsbeginn eine Flucht finanziell unmöglich machten, bis hin zu grausamen Einschränkungen, die es der Familie verboten, ohne besondere Erlaubnis das Haus zu verlassen. Die Schüler*innen wurden auf eine Reise in diese Vergangenheit mitgenommen, deren Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit für sie immer greifbarer, erschütternder und im Verlauf des Krieges unerträglicher wurde. Verbote wurden im Laufe des Krieges immer härter und einschränkender.
Selbst Alltägliches wie Schokolade war Juden verboten. Nach der Erkenntnis, dass kein Mitglied der Familie den Krieg und die anschließenden Konzentrationslager überlebte, erhielten die Schüler*innen daher symbolisch eine kleine „Notfallschokolade“ von Hermine Katz, um nach den vielen erschütternden Eindrücken wieder einen Moment des Trostes zu erfahren.
Diese tiefgehende Vorstellung stellte für uns einen wichtigen Beitrag zur Erziehung unserer Schüler*innen zu demokratischem Denken und zur Wertschätzung unserer grundlegenden Werte dar. Mit großem Dank an die Bürgerstiftung Schaumburg, die uns finanziell unterstützt hat, konnten wir diese Veranstaltung ermöglichen. Wir sind überzeugt von ihrer Wirkung, da gerade in diesem jungen Alter das Gerechtigkeitsbewusstsein nachhaltig geprägt wird und uns als Schule unser Grundgesetz besonders am Herzen liegt: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
In Zeiten einer unsicheren Weltpolitik und zahlreicher gesellschaftlicher Spannungen, die auch unsere Schüler*innen erreichen – etwa durch Mitschülerinnen aus der Ukraine, durch Kinder mit Migrationshintergrund oder andere Minderheiten, die immer wieder angegriffen und diffamiert werden – sehen wir es als zentrale Aufgabe von Schule, Toleranz und Menschenwürde großzuschreiben. Zu diesem Ziel hat diese Veranstaltung einen wichtigen Beitrag geleistet.
Kurz-URL: https://www.bueckeburg-lokal.de/?p=86631
















