Hilke Raddatz mit Wilhelm-Busch-Preis 2024 für ihr Lebenswerk geehrt

Hilke Raddatz (Fotograf: Thomas Hintner)

(pm – 7.2.24) Die Hamburger Illustratorin Hilke Raddatz wird mit dem diesjährigen Wilhelm Busch-Preis für satirische und humoristische Zeichenkunst und Versdichtung ausgezeichnet. Der Wilhelm-Busch-Preis wird alle zwei Jahre von der Stiftung Sparkasse Schaumburg, der Schaumburger Landschaft und den Schaumburger Nachrichten verliehen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Wilhelm Busch gilt als Wegbereiter des modernen Comics. Jahrzehntelang lebte und arbeitete er in seinem Geburtsort Wiedensahl in Niedersachsen. Seine Zeichnungen und sein brillanter Sprachwitz sind bis heute beeindruckend. Der Wilhelm-Busch-Preis würdigt im deutschsprachigen Raum Autorinnen und Autoren, die sich in ihrer Arbeit der künstlerischen Qualität und der Tradition Wilhelm Buschs verbunden und verpflichtet fühlen. Hierbei sind nicht nur deren Fähigkeiten als satirische Erzähler gefragt, sondern vor allem auch eine ästhetisch-hochwertige Zeichenkunst. Bisherige Preisträger waren Robert Gernhardt, F.W. Bernstein, Vicco von Bülow (Loriot), Ernst Kahl, Franziska Becker, Hans Traxler, Ralf König und Isabel Kreitz. 2021 hat Mawil den Wilhelm-Busch-Preis erhalten.

Mit Hilke Raddatz ehrt die Jury in diesem Jahr hoch angesehene und vielseitige Illustratorin. Die 1941 geborene Zeichnerin hat etliche Kinderbücher veröffentlicht. Vor allen bekannt geworden ist sie allerdings für ihre Illustrationen zur Rubrik „Briefe an die Leser“ des monatlich erscheinenden Satiremagazins „Titanic“. Hilke Raddatz bebildert diese Texte seit der Gründung des Magazins im Jahr 1979. Stets werden darin Prominente oder Personen des Zeitgeschehens adressiert. Raddatz hat für ihre Zeichnung einen unverwechselbaren Stil gefunden, der spöttisch, manchmal auch böse, aber nie herabwürdigend ist. Indes hat sie eine Galerie deutscher und internationaler Prominenz geschaffen, die mittlerweile mehr als 2.500 Zeichnungen umfasst.

Vignette: Königin Elisabeth II. (95!), (Hilke Raddatz, 2021)

Über einen so langen Zeitraum als Cartoonistin unterhaltsam, kritisch und zeitgemäß zu sein und eine dabei durchgehend eine große Qualität zu liefern, ist schon allein eine preiswürdige Leistung, befindet die Jury. Dabei steht die Cartoonistin in bester Tradition von Wilhelm Busch, dem es auch stets darum ging, seine Zeitgenossen zu karikieren, mit ihnen auch bisweilen hart umzuspringen, sie gleichzeitig aber liebevoll zu behandeln.

Hilke Raddatz hat auch als Kinderbuchautorin ihre Zeit sehr geprägt. Von ihr stammen Klassiker wie „Die Warner von Bockenheim“ oder „Helmut das Erdferkel“. Darin erzählte sie lehrreiche Ge-schichten für Kinder, ohne belehrend zu sein. Im Gegenteil gelang es ihr, aus einer kindlich-subversiven Perspektive auf die Welt der Erwachsenen zu blicken und Kindern gewissermaßen auf Augenhöhe zu begegnen. Damit ist Hilke Raddatz ein Vorbild für eine ganze Generation von Kinderbuch-Autorinnen und -Autoren.

Hilke Raddatz hat sich diesen kindlich-subversiven Blick bin ins Alter von 82 Jahren bewahrt. Dies ist eine Leistung, vor der man sich nur verneigen kann.

Bibliografie (Auswahl):

• Die Warner von Bockenheim. 6 Tage und ein Wochenende mit Pinki, Ingeborg u. Blacky. Beltz und Gelberg, Weinheim, Basel 1980.

• Helmut, das Erdferkel. Bildergeschichte in 6 Kapiteln. Sauerländer, Aarau, Frankfurt am Main, Salzburg 1980.

• Turnen mit Franz. Ein Bildermärchen für Katzen. Jugend und Volk, Wien 1982.

• Der vorletzte Panda. Eine chinesische Bildergeschichte. Sauerländer, Aarau / Frankfurt am Main, Salzburg 1983.

• Wenn der Wal … Eine Bildergeschichte. F. Schneider, München 1988.

• Die große Liebe von Bockenheim. Die 4. Geschichte. Semmel-Verlag, Kiel 1988.

• Die Punker von Bockenheim und sieben Träume mit Manfred. Semmel-Verlag, Kiel 1988.

• Der Erpresser von Bockenheim. Eine Bildergeschichte in 15 Kapiteln. Beltz und Gelberg, Weinheim 1989 (3. Aufl.).

• D[okto]r Knaake mit Dieter Mendelsohn. 1979 – 1982. Semmel-Verlag, Kiel 1990.

• (Illustrationen zu:) Beatrix Novy: Du darfst – aber was? Ein kleines Benimmbuch für unkorrekte Zeiten. Hoffmann und Campe, Hamburg 1996.

• Briefe an die Leser, Titanic-Magazin, seit 1979

Die Jury des Wilhelm-Busch-Preises:

Prof. Dr. em. Dietrich Grünewald, Kunstdidaktiker, Universität Koblenz-Landau

Dr. Eva-Jandl-Jörg, Direktorin, Museum Wilhelm Busch – Dt. Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover

Martin Jurgeit, Comic-Fachjournalist, u. a. für „buchreport“ und „Der Tagesspiegel“

Tillman Prüfer, stellv. Chefredakteur, ZEIT Magazin, Hamburg

Kurz-URL: https://www.bueckeburg-lokal.de/?p=81671

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