„Zeit für eine Verkehrswende drängt“
Stellungnahme der BIGTAB zu Plänen der „Initiative Deutschland-Takt“

Bückeburg (mm-10.05.19). Seit einiger Zeit propagiert die „Initiative Deutschland-Takt“ den Neubau einer Bahntrasse zwischen Bielefeld und Hannover entlang der A2-Trasse südlich des Wesergebirges und durch das Auetal. Aus Sicht von Fernreisenden und jenen, die eine visionäre Trendwende in der Verkehrspolitik fordern, sei dies, so BIGTAB-Vorsitzender Thomas Rippke (Foto), durchaus nachvollziehbar und klinge verlockend. „Wer sich jetzt in Minden und Porta Westfalica die Hände reibt und denkt, damit sei ein Trassenneubau – eventuell mit Tunnel durch den Jakobsberg – vom Tisch, irrt“, heißt es in der Presseerklärung.

Ein Blick ins Portemonnaie lasse diesen Traum schnell platzen. Das Bundesverkehrsministerium (BVMI) schiebt einen milliardenschweren Investitionsstau im Bereich Schiene vor sich her, geschätzt 60 Mrd. €, hinzu kommen die Kosten für die Digitalisierung. Allein daran gemessen, wirke der jährliche Etat von 1,6 Mrd. € wie ein Witz. „Ein Fachmann wie Rainer Engel, der Sprecher der Initiative, weiß genau, dass die Kosten für ein solches Neubauprojekt immens wären; vermutlich verliert er deshalb auch kein Wort darüber“, vermutet Rippke.

Ein kompletter Neubau würde zudem den vertretbaren Rahmen der Verhältnismäßigkeit sprengen, weil nur eine verschwindend kleine Gruppe davon profitieren würde. Eins ist für die BIGTAB klar: „Der Engpass für den Schienenverkehr durch die Zweigleisigkeit zwischen Wunstorf und Minden bleibt bestehen“.

Pendler und Güterverkehr hätten kaum Nutzen von einer superschnellen Fernbahn, Anwohner würden weiterhin vergeblich auf bessere Gleistechnik und Lärmschutz warten. Der Beseitigung eben dieses Engpasses wegen wurde 2016 im Bundestag mehrheitlich dem Bundesverkehrswegeplan zugestimmt. Darin wurde der Ausbau und/oder Neubau jenes Teilstücks von vorrangigem Bedarf beschlossen. „Wäre ein kompletter Neubau entlang der A2 – wie von Engels und zuletzt auch Staatssekretär Enak Ferlemann favorisiert – damit noch zu rechtfertigen, zumal er um ein Vielfaches mehr kosten würde?, fragt sich nicht nur Rippke.

Auch aus ökologischer Sicht sei dieser Neubauplan kein Heilsbringer. „In unserer ohnehin von Verkehrsadern durchschnittenen Landschaft käme eine weitere Schneise und einige Tunnel hinzu, denn die Schienenführung kann nicht überall der Autobahn folgen – das gibt auch Rainer Engel zu“, so BIGTAB-Sprecher Rippke weiter. Der Flächenverbrauch würde in jedem Fall einen Korridor von 60-70 m bedeuten, in Bauzeiten erheblich mehr.

„Die Zeit für eine Verkehrswende drängt, daran erinnern unsere Kinder und Enkelkinder uns mit jedem Schulstreik-Freitag“, meint Thomas Rippke. Die großen Hürden und die vielen unbeantworteten Fragen zu einem kompletten Trassenneubau entlang der A2 würden die Umsetzung auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben.

„Wer nicht nur den Komfort der wenigen Fernreisenden erhöhen möchte, sondern wirklich etwas ‚Pro Bahn‘ und damit für die Umwelt tun will, muss sich realistische, schnell erreichbare Ziele stecken“, fordert der BIGTAB-Vorsitzende. Ein Zubau von zwei Gleisen entlang der bestehenden Trasse ab Minden wäre kostengünstig und zeitnah umsetzbar. Anrainer-Kommunen und die Bürgerinitiative BIGTAB würden einen solchen Ausbau unterstützen. Ansprechpartner bei der BIGTAB sind Gesine Frank und Thomas Rippke, Südkamp 8, 31675 Bückeburg, Tel.: 0171 2642653.

Kurz-URL: http://www.bueckeburg-lokal.de/?p=46051

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