„Was macht eigentlich…?“
Heino Röwer – Zwischen Kompanie und Coaching

Bückeburg (sc-15.07.18). Der Mann mit dem auffälligen Bart hat auch einen auffälligen Namen: Heino. Heino Röwer, geboren am 04.10.67 in Bückeburg, stammt aus einer Zimmermann-Familie und ist bereits die vierte Generation eines Tischlers. Sein Urgroßvater war Zimmermann und Heino der letzte Spross, der den Familienbetrieb führte. Wobei er als Kind eher Stuntman werden wollte und eifrig Sprünge in voller Fahrt vom Rad übte (ein Glück, dass dabei nichts passiert ist!) und Tischler so gar nicht das war, was ihm vorschwebte. “Wenn man als junger Mensch sieht, wie viel Arbeit und Zeit der Vater investiert und wie viel für die Familie überbleibt, dann macht man lieber etwas anderes”, so Röwer.

Mit 16 Jahren hat er dann aber doch mit der Lehre angefangen und so die Liebe zum Handwerk entwickelt. Und die Arbeit eines Tischlers war damals, in Zeiten, als man nicht alles in 3D irgendwo auf Bildschirmen dem Kunden vorstellen konnte, schon sehr schwierig. “Wir haben praktisch etwas dem Kunden verkauft, was wir nicht zeigen konnten”, erläutert Röwer. “Man musste sich mit Skizzen behelfen und schon künstlerisch tätig sein, um zu zeigen, wie das Produkt hinterher aussehen würde.”

Trotzdem hat er nach sieben Jahren Selbstständigkeit den Betrieb geschlossen. Es waren wirtschaftliche Gründe, die ihn dazu bewogen haben. Und bevor es in den Konkurs geht, hat er sich damals entschlossen aufzuhören. Natürlich denkt er heute ab und an, ob die Entscheidung richtig gewesen ist, und ob er vielleicht,… aber dann sagt er sich, dass er damals gut überlegt entschieden hat und so schlecht sei es nun auch nicht, als Angestellter zu arbeiten mit regelmäßigem Einkommen und Urlaub und all das, was man eben nicht hat, wenn man für sich selbst zuständig ist.

Er wechselte damals nach Nienburg zu einem Bildungsträger, erst als Krankheitsvertretung, dann merkte er, dass ihm Ausbilden liegt, und er blieb dabei, als Lehrer für die Fachpraxis. Mittlerweile macht er das an der Berufsschule in Rinteln, was ein deutlich angenehmerer, weil kürzerer Fahrtweg ist. Und es verschafft ihm mehr freie Zeit, die er sehr intensiv nutzt; denn er ist sozusagen derjenige, der zuständig ist für alles, was mit American Football in Schaumburg zu tun hat. Schon als 12-Jähriger begann sein Interesse am American Football. Mit 16 Jahren hat er dann mit seiner Judogruppe zum Spaß Football gespielt. “So mit Motorradhelm als Schutzkleidung”, lacht Röwer, wenn er sich zurückerinnert. In seiner Ausbildungszeit zum Meister damals in Hildesheim, hat er dann “richtig” Football gespielt, denn dort gab es schon eine Mannschaft.

Dann las er auf einem Aushang, dass drei Gymnasiasten des Adolfinum, die während der Projektwoche Football gespielt hatten, diesen Sport auch hier in Schaumburg ausüben wollten und dringend noch Mitstreiter suchten. Da er sozusagen der “Einäugige unter den Blinden” war und zumindest Spielpraxis hatte, wurde er zum Trainer ernannt. Später hat er dann auch den C-Schein zum Trainer gemacht, der alle drei Jahre durch einen Wochenendlehrgang erneuert werden muss. Sehr gern würde er auch den B-Schein machen, aber leider fehlt es (noch?) an Zeit dafür.

Seitdem ist der Football hier in Bückeburg angekommen. Die Schaumburg Rangers spielen auf dem Dr.-Faust-Sportplatz und wer noch nicht bei einem Spiel war, der sollte dies schleunigst nachholen. Denn wenn die Spieler unter heißer Musik und angefeuert von Fans und einem sehr ansprechenden Cheerleadingteam auf den Platz laufen, dann könnte man auch irgendwo in den USA auf einem Footballplatz sein.

Die Stimmung unter den Fans ist hervorragend! Es ist weniger wie ein Zuschauen, als eher eine Art “Happening”, bei dem man mit kalten Getränken am Rand steht oder auf Picknickdecken sitzt und dem Spielgeschehen folgt, welches zudem auch für Neulinge durch den Ansager sehr gut erklärt wird. Die Regeln sind nicht ganz einfach, dafür ist das Spielgeschehen abwechslungsreich und lebt von Körpereinsätzen. Wobei es sich, so Röwer, um eine kontrollierte Aggressivität handelt. „Ausrasten darf keiner, denn es ist ein sehr intelligentes Spiel. In amerikanischen Filmen werden die Spieler gern als Dumpfbacken hingestellt, so welche haben wir aber nicht im Team. Man muss sehr konzentriert sein und viel Auswendiglernen können”, stellt er klar.

Natürlich freuen sich die Schaumburg Rangers immer, wenn noch mehr Publikum vor Ort ist und die Spieler anfeuert. Bei freiem Eintritt sicherlich eine gute Idee. Und wer weiß, vielleicht finden sich auch neue Spieler oder Helfer, denn Ehrenamtliche sind sehr willkommen! Letztes Jahr gab es ein Jubiläum, bereits seit 1992 ist Football in Schaumburg angekommen und bis heute der einzige Verein im Umkreis von 50 km.

Doch Heino Röwer hat noch ein zweites Hobby, und das hat schon wieder mit frischer Luft und Bewegung zu tun, denn er ist seit diesem Jahr auch Kompaniechef der vierten Kompanie des Bückeburger Bürgerbataillon und hat damit Heinz-Wilhelm Engelke “beerbt”, der sein Amt nach 25 Jahren abgegeben hat. Und obwohl er diese Entscheidung natürlich mit der Familie, allen voran seiner Frau Ulrike, abgesprochen hat (die Familie muss das mittragen, denn man investiert viel Zeit), war es dann doch nicht so schwer zuzusagen. Denn schon als kleiner Knirps war Röwer beim Bürgerbataillon dabei. Allerdings nicht, wie so oft üblich, durch den Vater oder Großvater, sondern durch seinen Nachbarsfreund, der ihn einfach immer zum Minchenrott mitgenommen hat.

So mit 16 oder 17 Jahren sei er dann das erste Mal bei einem Rottfrühstück dabei gewesen. Und dann ist er einfach immer hingegangen, später auch mit seiner Frau, und hat sich zuerst im Thekenteam, dann als Fahnenträger und schließlich zum stellvertretenden Rottleiter “hochgedient” (sozusagen). “Man muss halt immer dabei bleiben”, meint Röwer, “wobei nur hingehen nicht ausreicht. Es ist immer mit Arbeit verbunden, geschenkt wird einem nichts. Man muss halt immer etwas mehr tun, als die anderen.” Dabei ist es nie sein Ziel gewesen, Kompaniechef zu werden. Der Spaß an der Sache und dass er sich gern engagiert, dass stand immer im Vordergrund.

“Was ich mache, versuche ich, so gut wie möglich zu machen”, sagt Röwer. “Ehrgeizig sehe ich mich allerdings nicht”, fügt er schmunzelnd hinzu. Und dann sagt dieser Mann wieder etwas sehr Kluges:“Wir haben ja nur dieses eine Leben, da können wir nicht immer aufgeregt sein. Man muss einfach das Beste daraus machen”. In diesem Satz und in dem ganzen Gespräch steckt so viel Ruhe und Wissen, dass man sich nicht wundert, warum Heino Röwer nicht nur neuer Kompaniechef wurde und den Football in Schaumburg etabliert hat, sondern, warum er zudem sehr beliebt ist und man, sobald man ihn erwähnt, nur positive Rückmeldungen bekommt. Dabei wirkt er nie überheblich, sondern strahlt eine beneidenswerte Ruhe und Entspannung aus. Davon profitieren nicht nur seine Schüler, Spieler oder Vereinsmitglieder, sondern natürlich auch seine Familie, zu der neben Frau Ulrike noch eine Tochter zählt, die seit Jahren aktiv bei den Pfadfindern ist, mittlerweile sogar auf Bundesebene für ihren Verband mitorganisiert, und die gerade den Bachelor in Psychologie macht.

Wenn Röwer zurückblickt auf seine berufliche Tätigkeit und was er so “nebenbei” alles gemacht hat, dann ist er selbst verwundert, wie er alles schaffen konnte. Aber auch da ist er ganz bescheiden und meint nur, dass man eben nicht so viel jammern dürfe. Trotzdem hat auch Röwer noch Träume. Einer davon ist, einmal in den USA live ein Footballspiel zu sehen. Favorit wären die Philadelphia Eagles. Der Superbowl wäre natürlich das Sahnehäubchen. Aber, wer weiß, es steht zumindest als ein Punkt auf seiner Agenda und ist ein angestrebtes Ziel.

Da bleibt nur noch eine Frage offen: Woher hat Röwer den ungewöhnlichen Vornamen? Heino Röwer schmunzelt, als er das erzählt. Natürlich haben seine Eltern stets betont, dass sie ihn NIEMALS nach dem “Schwarzbraun ist die Haselnuss”-Schlagersänger Heino benannt hätten. Vielmehr sei der Name Heinrich von Großvater und Vater schon getragen worden und einen dritten Heinrich wollte man wohl nicht, deshalb habe man sich für die Version HEINo entschieden.

Und trotzdem habe er als Kind dann doch für die Oma ein Lied von Heino singen müssen, gegen einen Taler versteht sich. Da sein Gesangstalent dann doch nicht an den blonden Barden heranreichte, kann sich das Bürgerbataillon glücklich schätzen, zumindest namentlich einen Heino in seinen Reihen zu wissen. Und abschließend erzählt Röwer noch, dass ihm die Tätigkeit als Kompaniechef schon sehr zusagt, besonders, weil es ehrenamtlich ist und man etwas für Bückeburg und seine Heimat machen würde. Außerdem habe auch die Familie etwas davon, das sei schon ausschlaggebend gewesen.

Als Kompaniechef sorgt er nun in erster Linie für den Zusammenhalt der Rotts, für das Planen und Ausrichten von Veranstaltungen und er führt beim Bürgerschießen “seine” Rotts an (Jetenburger, Minchen und Marschrott). Es ist alles ein bisschen militärisch angehaucht und stammt noch aus der Tradition der Bürgerverteidigung. Dabei ist es von der Struktur her ähnlich aufgebaut wie ein Verein. Und auch da kann man sich aktiv oder auch passiv in Form einer Mitgliedschaft im Förderverein, einbringen. Neue Mitglieder sind stets sehr willkommen. Das gemeinsame Erlebnis und der Zusammenhalt sei das, was die Mitglieder der Rotts sehr schätzen und was dazu führt, dass diese Tradition auch in der heutigen Zeit noch so viel Zuspruch findet.

Drei Fragen zu Bückeburg: Was gefällt Heino Röver an Bückeburg? „Bückeburg hat nach meiner Ansicht genau die richtige Größe. Wir sind kein Dorf, aber auch keine Großstadt. Man bekommt alles, was man braucht, und will man mal Dorf oder Großstadt erleben, ist beides in der Nähe und später kann man dann wieder ins schöne Bückeburg zurückkehren.“ Was gefällt Röver nicht an Bückeburg? „Es gibt eigentlich nichts, was mir nicht gefällt. Vermissen tue ich etwas, und das sind die schönen Straßenfeste, die es früher mal gab. Aber früher ist früher!“ Was würde Röwer einem Außenstehenden empfehlen, sich in Bückeburg anzusehen? „Natürlich ein Heimspiel der Schaumburg Rangers und das Bückeburger Bürgerschießen. Bückeburg hat so viele Highlights, das Schloss, das Mausoleum, die Stadtkirche, das Hubschraubermuseum und … Oft vergisst man, in was für einer schönen Stadt wir leben. Einfach mal rechts und links schauen.

Wenn Sie mehr Informationen zum Bückeburger Bürgerbataillon haben möchten, dann schauen Sie mal unter www.buergerbataillon-bueckeburg.de/page/. Oder vielleicht haben Sie Lust auf American Football? Dann gibt es hier http://football.vfl-bueckeburg.de/content/willkommen-bei-den-rangers mehr Infos!

Foto 1: In 2017 hat die Stadt Bückeburg mit Heino Röwer (links, mit Reiner Brombach und Wolfhard Müller) jemanden besonders geehrt, der als Funktionär oder Trainer nicht so im Vordergrund steht, ohne den aber der Sport in den Vereinen nicht funktionieren würde.

Foto 2: Heino Röwer (l.), der neue Kompaniechef der vierten Kompanie, mit seinem Vorgänger Heinz-Wilhelm Engelke

Foto 3: Heino Röwer steht in Schaumburg für alles, was mit American Football zu tun hat.

Foto 4: Die Röwers mit Freunden auf dem Stadtball.

Foto 5: Erste Versuche beim American Football im Jahr 1994

Foto 6 : Vater und Tochter – ein starkes Team.

Foto 7: Sympathisch und eine innere Ruhe ausstrahlend – das ist Heino Röwer.

 

 

 

Kurz-URL: http://www.bueckeburg-lokal.de/?p=40300

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