Verstand einschalten – aus der Geschichte lernen
Gedenkfeier und Kranzniederlegung

DSC_0118Bückeburg (mm-09.11.15). Bürgermeister Reiner Brombach freute sich über die zahlreichen Bürger, die zur Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürger, die der Reichspogromnach 1938 und dem Nazi-Terror zum Opfer gefallen sind, heute Vormittag zur Gedenkfeier am Gedenkstein hinter dem Stadthaus gekommen sind. Brombach dankte dem Posaunenchor Bückeburg für die musikalische Umrahmung und legte einen Kranz am Gedenkstein nieder. In allen Grußworten wurde bedauert, dass die jüdische Gemeinde wegen einer anderen Veranstaltung nicht an der Gedenkfeier teilnehmen konnte.

DSC_0123Der Bürgermeister sprach vom „dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte“. Zwei Jahre zuvor habe Deutschland zwar noch die Völker der Welt zu den Olympischen Spielen begrüßt, das Denken des Nazi-Regimes habe sich aber da schon abgezeichnet. Am 9. November 1938 habe das menschenverachtende Regime dafür gesorgt, dass jüdische Einrichtungen brutal angegriffen wurden. Der Beginn des Verhängnisses über Deutschland habe in Auschwitz und anderen Lagern geendet.

DSC_0113Betroffen seien neben den Juden auch Sinti, Roma, Homosexuelle und Behinderte gewesen. „Sie alle wurden als Untermenschen verfolgt und ausgemerzt“, sagte Brombach. Die Erinnerung sei erforderlich, um mit der Zukunft fertig werden zu können. Das nationalsozialistische Gedankengut verbreite sich in Deutschland und in Europa schon wieder. Brombach erinnerte an die Taten der NSU in Deutschland, die jahrelang nicht erkannt wurden, weil offensichtlich große Teile unserer Gesellschaft „blind gewesen“ sind. „Wir müssen allen rassistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen mit Zivilcourage entgegentreten“, forderte der Bürgermeister.

DSC_0122Oberprediger Dr. Wieland Kastning von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde erinnerte an die Gräuel-Taten, „die Bückeburger an Bückeburgern begangen haben“. Pegida sei eine Bewegung, die von Fremdenangst, Fremdenhass und Demokratieverachtung getragen werde. Er sei froh, so Kastning, dass Juden diesem Land zutrauen, hier in Frieden leben zu können. Dennoch gebe es auch Sorgen Andersgläubiger. Anlass seien Hakenkreuzschmierereien und ein Antisemitismus, der es schon bis in die Mitte der Gesellschaft geschafft habe. „Jude“ sei ein weit verbreitetes Schimpfwort. „Es ist schade, dass sie heute nicht an der Veranstaltung teilnehmen können, wir müssen sie sehen und mit ihnen sprechen“, so Kastning.

Vor über 2000 Jahren seien die Juden schon für Dürre und Pest verantwortlich gemacht worden. Auch unser Reformator Martin Luther habe zur Vertreibung der Juden aufgerufen. „Christen haben Juden geplagt – ich schäme mich für diesen Teil unserer Geschichte“, so Dr. Kastning deutlich. Er appellierte an die Vernunft, doch noch aus der Geschichte zu lernen. Bei allen Diskussionen um die Flüchtlinge dürften die Juden nicht vergessen werden.

DSC_0124Klaus Maiwald erinnerte an den Beginn des Projekts „Stolpersteine“ vor zehn Jahren an den Orten, wo die jüdischen Mitbürger zuletzt aus freien Stücken „mitten unter uns Christen“ gelebt haben. Insgesamt seien von Gunter Demnig 49 Stolpersteine verlegt worden. Zwei Schülerinnen der Oberschule Bückeburg haben die Namen der jüdischen Opfer der Stadt Bückeburg verlesen.

 

Foto 1: Bürgermeister Reiner Brombach legt einen Kranz nieder.

Foto 2: Zahlreiche Bürger nehmen an der Gedenkfeier teil.

Foto 3: Der Posaunenchor Bückeburg

Foto 4: Dr. Wieland Kastning

Foto 5: Klaus Maiwald

 

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