„Opferschutz ist wichtig!“
Klinikum Schaumburg jetzt im „Netzwerk Pro Beweis“

Obernkirchen (mm-03.11.18). Das Agaplesion Ev. Klinikum Schaumburg ist dem im Jahr 2012 vom Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover gebildeten „Netzwerk Pro Beweis“ beigetreten, das durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gefördert wird. Bei vielen Gewaltopfern besteht eine hohe Hemmschwelle, zeitnah eine Strafanzeige zu erstatten, insbesondere, wenn es sich beim Täter um den Ehemann, einen Verwandten oder Bekannten handelt, so dass wichtige Befunde für die Beweisführung in einem späteren Ermittlungsverfahren verloren gehen.

Das „Netzwerk Pro Beweis“ soll bei der schnellen Dokumentation und Spurensicherung von Beweisen helfen. „Wir sind damit eine weitere Anlaufstelle in Niedersachsen für Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt“, so Geschäftsführerin Diana Fortmann. Alle Betroffenen können ab sofort im Klinikum Schaumburg kostenlos eine ärztliche Untersuchung für eine gerichtsverwertbare Dokumentation und Beweissicherung in Anspruch nehmen. Stefanie Hoyer, Ärztin am Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover, berichtete mit Hinweis auf die Polizeiliche Kriminalstatistik 2016 von einem kontinuierlichen Anstieg der Opferzahlen von Partnerschaftsgewalt seit 2012. Zu etwa 80 Prozent sind Frauen betroffen.

Damit die Spuren und Beweise, wie Blut, Urin und Abstriche, gerichtsverwertbar gesichert werden, wurden die Ärztinnen und Ärzte der Fachabteilung Gynäkologie und der Zentralen Notaufnahme des Agaplesion Ev. Klinikum Schaumburg von Stefanie Hoyer geschult. „Alle Partnerkliniken gehen bei Untersuchungen von Gewaltopfern nach denselben Standards vor“, erläuterte Hoyer.

So wird mit einheitlichen Dokumentationsbögen, die durch den Ablauf der Untersuchung führen, und den kostenlos zur Verfügung gestellten Untersuchungskits gearbeitet. Diese Kits erhalten unter anderem Tupfer für Abstriche, Röhrchen für Blutproben und Asservierungstüten zur Aufbewahrung von Spurenträgern.

„Es ist wichtig, betroffenen Frauen und Männern zu helfen, insbesondere, weil häusliche Gewalt oft keine einmalige Tat ist und es für die Opfer von körperlichen oder sexuellen Übergriffen schwer ist, die Gewaltspirale zu durchbrechen“, meinte Holger Finkemeier, Leiter der Zentralen Notaufnahme. Für die Betroffenen sei es deshalb vielleicht leichter, erst einmal zum Klinikum in die Zentrale Notaufnahme zu kommen, anstatt sofort zur Polizei zu gehen; denn beim Klinikum Schaumburg handele es sich um eine anonyme Beweissicherung, bei der auch die Krankenkassenkarte nicht benutzt wird.

Grundsätzlich werden die gesicherten Spuren für mindestens drei Jahre sowie die Dokumentation für 30 Jahre zentral im Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover aufbewahrt. Nach den Worten von Stefanie Hoyer haben seit dem Start des Projekts im Jahr 2012 817 Frauen und Männer Kontakt zum Netzwerk, das es bislang nur in Niedersachsen gibt, aufgenommen. Etwa neun Prozent der Vorfälle wurden zur Anzeige bei der Polizei gebracht, und nur in etwa zehn Prozent dieser Fälle ist es zu einer Verurteilung gekommen. „Natürlich hat uns das zunächst deprimiert, aber man darf nicht vergessen, dass durch das Projekt ein Dunkelfeld beleuchtet wird und Taten ans Licht kommen, die sonst nicht bekannt geworden wären“, meinte Hoyer.

Foto: Opferschutz ist wichtig – das Agaplesion Ev. Klinikum Schaumburg ist als 37. Untersuchungsstelle in Niedersachsen nun Partner im „Netzwerk Pro Beweis“.

Kurz-URL: http://www.bueckeburg-lokal.de/?p=42568

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