Gedenkfeier und Kranzniederlegung
„Nicht wegschauen, mit Zivilcourage entgegentreten“

Bückeburg (mm-09.11.18). Am Freitagvormittag hatte die Stadt Bückeburg zu einer Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Gedenkstein hinter dem Stadthaus eingeladen zur Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die der Reichspogromnacht 1938 und dem Nazi-Terror zum Opfer gefallen sind. Die Gedenkfeier wurde vom Posaunenchor Bückeburg umrahmt.

„Heute vor 80 Jahren hat das Regime seine hässlichste Fratze gezeigt, wir schauen auf die dunkelste Zeit Deutschlands zurück und hoffen, dass sie sich nicht wiederholt“, meinte Bürgermeister Reiner Brombach. Auch die Synagoge in Bückeburg sei angezündet worden.

Da sei für den letzten deutlich geworden, dass das nationalsozialistische Regime Menschen anderer Rassen und insbesondere die Juden aus der Gesellschaft ausgrenzen und sie vernichten will. „Wir sind die Garanten dafür, dass solche menschenverachtenden Gedanken und Taten in Deutschland, Europa und überall auf der Welt nicht wieder Fuß fassen; denn Rassismus und Antisemitismus verbreiten sich wieder überall“, so Brombach. Nicht wegschauen, mit Zivilcourage entgegentreten sei die Devise. Es lohne sich, so der Bürgermeister, sich für ein friedliches und freundliches Miteinander mit Nachbarn und Freunden einzusetzen, auch zum eigenen Vorteil.

„Alle Täter sind verstorben, alle Opfer auch; es ist zu lange her, dass wir uns schämen müssen“, sagte Pastor Jan-Uwe Zapke. Er würde sich nicht schämen für die Feuerwehr, die eine Stunde gewartet habe, bis die Synagoge abgebrannt war, auch nicht für den Verein, der Juden nicht mehr teilnehmen ließ, nicht für die Justiz, die nach kurzer Zeit die Ermittlungen eingestellt und die Bücher geschlossen habe; auch die Kirche sei stumm geblieben.

Zapke erinnerte an den Bürgermeister Karl Wiehe, der 1935 von den Nazis entmachtet und von Albert Friehe abgelöst wurde. Auch die Schule habe nicht reagiert, als eine jüdische Lehrerin entlassen wurde. „Schämen muss ich mich aber, wenn ich von drei Schülern die als Schimpfwort gemeinten Worte ‚Du Jude‘ höre“, so Zapke deutlich. „Es gibt Dinge, die ich nicht ertragen kann, ich bin fassungslos – dies ist kein Tag der Scham, aber ein Tag der Erinnerung, aufrechte Bürger sind erforderlich!“

Foto 1: Bürgermeister Reiner Brombach legt einen Kranz nieder.

Foto 2: Pastor Jan-Uwe Zapke

Foto 3: Posaunenchor Bückeburg

Foto 4: Zahlreiche Bürger und Schüler nehmen an der Gedenkfeier teil.

Kurz-URL: http://www.bueckeburg-lokal.de/?p=42668

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