Kranzniederlegung am Gedenkstein
„Leben während des Hitler-Regimes zur Hölle geworden“

Bückeburg (mm-09.11.17). Bürgermeister Reiner Brombach hat heute Mittag zu Beginn einer Gedenkfeier für die Stadt Bückeburg einen Kranz am Gedenkstein hinter dem Stadthaus niedergelegt. Jedes Jahr findet hier eine Gedenkveranstaltung anlässlich der Pogromnacht am 9. November 1938 statt. Auch in diesem Jahr sorgte der Posaunenchor der Stadtkirchengemeinde für eine würdige Umrahmung der Feier.

Brombach erinnerte an das „dunkelste Kapitel in der Geschichte unseres Volkes“. Insbesondere die Jugend müsste sich vergegenwärtigen, welche Schuld Deutschland auf sich geladen hat und dies nie wieder passieren darf. Schon während der Olympischen Spiele 1936, als die Welt in Berlin und Garmisch-Patenkirchen zu Gast war, habe man das Gedankengut des Hitler-Regimes erkennen können.

Mit der Pogromnacht am 9. November 1938 sei es dann für die gesamte Weltöffentlichkeit deutlich geworden. Nicht nur Juden, auch Sinti, Roma, Homosexuelle und Behinderte seien verfolgt, eingesperrt und ermordet worden. „Nach dem Krieg haben dann viele davon nichts gewusst haben wollen, das kann uns keiner erklären“, so Brombach. Solche Geschehnisse könnten nicht vorbei an der deutschen Bevölkerung passiert sein.

„Viele haben die Augen zugemacht, viele haben auch mitgemacht, nur wenige haben nichts davon gewusst – eine Schuld, die das deutsche Volk auf sich geladen hat, die nicht wieder gut zu machen ist“, so der Bürgermeister. Auch heute würde wieder Rassismus und Fremdenhass grassieren. Brombach nannte beispielhaft in Deutschland die NSU-Morde, aber auch die Verfolgung anderer Bevölkerungsgruppen in den USA vor den Augen der Mehrheit der Bevölkerung.

Inzwischen gäbe es im Bundestag eine Partei, die dieses Gedankengut in sich trägt und damit erfolgreich ist. „Während des Hitler-Regimes ist das Leben zur Hölle geworden“, erinnerte Brombach und wünscht sich, „dass die Welt einsieht, welche Auswirkungen dieses gefährliche Gedankengut hat.“

Oberprediger Dr. Wieland Kastning berichtete von seiner Teilnahme an einer Eheschließung eines deutsch-jüdischen Paares unter Beteiligung eines jüdischen Geistlichen mit einem religiösen Ritual. „Endlich Normalität und die Geschichte zurücklassen? Ein klares Nein!“, so Kastning deutlich. Man brauche die Erinnerung, um vor dem Hass gegenüber Minderheiten zu warnen. „Das kollektive Stadtgewissen muss in Bückeburg wach bleiben!“

Foto 1: Bürgermeister Reiner Brombach legt einen Kranz nieder.

Foto 2: Oberprediger Dr. Wieland Kastning: „Wir brauchen die Erinnerung, um vor dem Hass gegenüber Minderheiten zu warnen.“

Foto 3: Posaunenchor der Stadtkirchengemeinde

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